03.12.2025

HWK und LWL stärken Inklusion

Beratung für Berufsperspektiven von Menschen mit Behinderungen

Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen (3. Dezember) hat die Handwerkskammer (HWK) Münster die Bedeutung inklusiver Beschäftigung hervorgehoben: „Inklusion ist nicht nur sozial, sie ist auch wirtschaftlich sinnvoll.“ Die Kammer hat ihr Engagement weiter ausgebaut: Die Inklusionsberatung wurde um eine zusätzliche Expertin ergänzt: Damit unterstützt ein Dreierteam Inklusionsbetriebe aller Branchen in ganz Westfalen bei betriebswirtschaftlichen Fragestellungen.

Der Service, der auf verbesserte berufliche Perspektiven bei Behinderung abzielt, wird in Zusammenarbeit mit dem LWL-Inklusionsamt Arbeit angeboten. Gleiches gilt für die ebenfalls bei der Handwerkskammer angesiedelte Fachberatung für Inklusion im Rahmen der „Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber“ (EAA).

Für die Handwerkskammer gehört Inklusion zu einer zukunftsorientierten Personalstrategie von Unternehmen. „Hier gibt es einen großen, oft übersehenen Talentpool für die Fachkräftegewinnung“, sagt Geschäftsführer Markus Hartmann. Inklusion bedeute, Menschen mit Behinderungen als gleichwertige Fachkräfte in den Arbeitsalltag einzubeziehen. Das könne auch das Image stärken.

Eine Blitzumfrage der Handwerkskammer im November 2025, an der 185 Handwerksbetriebe aus dem Kammerbezirk teilgenommen haben, zeichnet ein deutliches Stimmungsbild. Jeder Zehnte gab an, dass eine Inhaberin oder ein Inhaber eine anerkannte Behinderung hat. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen beschäftigt bereits Menschen mit Behinderung. Die Beschäftigung erfolgt in verschiedenen Bereichen, vor allem in der Produktion und in der Verwaltung. 57 Prozent berichten von überwiegend positiven oder sehr positiven Erfahrungen.

Gleichzeitig zeigt die Umfrage einen hohen Informationsbedarf: Jeder siebte Betrieb wünscht sich Orientierung, vor allem zu Fördermöglichkeiten und Recht. Jeder Fünfte plant die Einstellung von Menschen mit Behinderungen. 39 Prozent sind diesbezüglich noch unentschlossen. Die Ergebnisse verdeutlichten, dass Inklusion im Handwerk bereits erfolgreich praktiziert wird, aber weitere Unterstützung weiterhin notwendig bleibe, kommentiert die HWK.

In Westfalen-Lippe sind rund 25.000 schwerbehinderte Menschen arbeitslos. Etwa 170 Inklusionsbetriebe und -abteilungen, darunter 19 Handwerksunternehmen im Kammerbezirk Münster, beschäftigen insgesamt 4.350 Mitarbeiter, wovon die Hälfte Menschen mit Behinderungen sind. Der LWL finanziert das Beratungsangebot der Handwerkskammer, das den Betrieben kostenfrei zur Verfügung steht.

www.hwk-muenster.de/inklusion

»Am Anfang stand gar keine große Strategie – sondern die einfache

Inklusion bei Münsterland plus

Beobachtung, dass Menschen mit Beeinträchtigung im Betrieb nicht nur mithalten, sondern oft mit beeindruckender Motivation arbeiten.« Aus dieser Erfahrung entwickelte sich in dem mittelständischen Garten- und Landschaftsbaubetrieb Münsterland Plus in Greven der Impuls, Inklusion nicht als Zusatz, sondern als festen Bestandteil des Unternehmens zu verankern. Jens Korber, Geschäftsführer, Ingenieur des Landschaftsbaus und anerkannter Sachverständiger, beschreibt diesen Moment rückblickend so: »Wir hatten die Mitarbeitenden bereits im Team. Da war es ein logischer Schritt, daraus etwas Verlässliches zu machen.«

Das Unternehmen, 2011 gegründet und stetig gewachsen, entschied sich daher für den Aufbau einer Inklusionsabteilung – nicht als abgeschlossene Einheit, sondern als flexibel organisierte Struktur mit mindestens drei Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen. »Auch die Mitarbeiter mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen wollen etwas leisten. Und wir erwarten von allen hundert Prozent. Es gibt keine Sonderbehandlung«, betont der Unternehmer. Offenheit über individuelle Einschränkungen gehöre dazu – ebenso wie der Anspruch, dass die Abläufe funktionieren müssen. »Es gibt gute und schlechte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – unabhängig davon, ob jemand eine Behinderung hat.« Ein Mitarbeiter beispielsweise sei sehr vergesslich. Er schreibe sich die anstehenden Arbeiten jetzt immer auf. So sei er ein wertvoller Helfer für den Betrieb. Und es gebe immer auch einfachere Arbeiten, die aber auch wichtig seien, so Korber.

Mit Unterstützung des LWL und der Unternehmensberatung der HWK wurde die Einrichtung einer Inklusionsabteilung im Jahr 2021 systematisch vorbereitet. In einem ersten Gespräch klärte man zentrale Fragen zur Ausgestaltung, Förderung und Personalgewinnung. Auf Basis einer betriebswirtschaftlichen Stellungnahme von Inklusionsberaterin Claudia Stremming konnten schließlich vier geförderte Inklusionsarbeitsplätze geschaffen werden, die – wie alle anderen – vollständig in den regulären Betriebsablauf integriert sind und in verschiedenen Teams sowie Aufgabenbereichen mitwirken. »Mit den Investitionszuschüssen konnten wir drei Doppelkabinenfahrzeuge anschaffen.« Die Abteilung entwickelte sich schnell positiv; die Krankenquote liegt bis heute unter dem Durchschnitt.

2025 folgte die Erweiterung um drei weitere Arbeitsplätze sowie die Einrichtung einer neuen Inklusionsabteilung im zuvor zusätzlich aufgebauten Maurerbetrieb, dem Korber Bauunternehmen. Auch hier übernahm die HWK die wirtschaftliche Prüfung. Für den Unternehmer bleibt der Grundgedanke unverändert: »Keiner wird hier in Watte gepackt – aber jeder bekommt die Chance, sich zu beweisen.« Aus einem praktischen Impuls ist so ein tragfähiges, wachsendes Inklusionsmodell entstanden, das wirtschaftliche Stabilität mit sozialer Verantwortung verbindet.

Handwerksunternehmer Jens Korber (links) schätzt die Arbeit von Hanno Frank bei Münsterland Plus – trotz dessen Beeinträchtigung. Franks Arbeitsplatz wird vom LWL gefördert.